Kaufmann/-frau für Verkehrsservice

Kaufleute für Verkehrsservice werden überwiegend bei der Deutschen Bahn AG, aber auch bei Busgesellschaften, bei nichtbundeseigenen Bahnen oder bei Verkehrsverbünden ausgebildet. Sie sind hauptsächlich in den Reisezentren tätig, wo sie die Reisenden über Eisenbahnverbindungen beraten und Fahrausweise verkaufen. Im ServicePoint großer Bahnhöfe beraten Kaufleute für Verkehrsservice die Reisenden über Serviceleistungen, sie geben touristische Informationen, erteilen Fahrplan- und Zugauskünfte und helfen mobilitätseingeschränkten Reisenden. Dementsprechend ist Kontaktfreudigkeit, Sprachgewandtheit und ein zuvorkommendes Auftreten gefordert. Da die Auskünfte computergestützt zu geben sind, darf man keine Scheu vor diesem Medium haben. Auch in den Bahntarifen muss man sich gut auskennen.

Bei ihrer Tätigkeit im Zugbegleitdienst sind sie der*die kompetente Ansprechpartner*in für die Fahrgäste.

Sind sie im Sicherheitsdienst tätig, überwachen sie die Sicherheitsbestimmungen auf den Bahnhöfen. Zu ihrer Tätigkeit gehört auch der kaufmännische Bereich, in dem sie Reklamationen bearbeiten oder sich um die Materialbeschaffung kümmern.

Ausbildungsgang

Die Ausbildungsdauer beträgt 3 Jahre, es kann unter bestimmten Voraussetzungen aber mit dem Ausbildungsbetrieb auch eine 2½-jährige Ausbildungsdauer vereinbart werden. Die Ausbildung erfolgt in einem der zwei Schwerpunkte:

– Verkauf und Service

– Sicherheit und Service

Ausgebildet wird im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Im Land Berlin findet die schulische Ausbildung an 2 Tagen in der Woche statt.

Nach der Hälfte der Ausbildungszeit erfolgt eine Zwischenprüfung. Mit erfolgreichem Ablegen der Abschlussprüfung ist man Kaufmann/-frau für Verkehrsservice.

Stundentafel

Kaufmann/-frau für Verkehrsservice

Allgemeiner Lernbereich1. Jahr2. Jahr3. Jahr
kaufm. Kommunikation (Deutsch/Englisch)222
Sozialkunde122
Sport*111
Berufsbezogener Lernbereich
Wirtschaftlehre222
Rechnungswesen / Controlling322
Service und Verkauf333

* soweit organisatorisch möglich

Unterrichtsinhalte

Die Unterrichtsinhalte sind im Rahmenlehrplan in Lernfeldern vorgegeben. Den Fächern ‘Service und Verkauf’, ‘Wirtschaftlehre’, ‘Sozialkunde’ sowie ‘Rechnungswesen und Controlling’ sind die folgenden Inhalte zugewiesen:

Service und Verkauf

Organisationsformen 
Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren im Straßen- und Eisenbahnpersonenverkehr 
Umweltkonzepte im Verkehrsbereich

Bedeutende Wirtschaftsräume und Touristikzentren in Deutschland und Europa 
Schienen- und Straßennetz in Deutschland und Europa (Hauptstrecken, wichtige Grenzübergänge) 
Fährverbindungen im deutschen und europäischen Verkehr 
Geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens 
Verkehrsträger, Verkehrsmittel 
Ökologischer und ökonomischer Vergleich der Verkehrsträger 

Fahrpläne im Personenverkehr 
ÖPNV 
Produkte im Personenverkehr (z.B. ICE, Europabus) 

Serviceleistungen im Personenverkehr

Kommunikation und Interaktion (einschl. nonverbaler Kommunikation, wie Mimik, Gestik, Körpersprache) 
Besonderheiten und häufige Fehler im Umgang mit Kunden und Gruppen

Mündliche Kommunikation 
Umgang mit betriebsüblichen (Informations-) Materialien
Kundenbedürfnis, Marketinginformationen 

Produktgestaltung, Angebotsgestaltung 
Verkaufsförderung (Sales Promotion) 
Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) 
Direct Marketing 
Product Placement 
Sponsoring 

Rechtliche Rahmenbedingungen (z.B. UWG, EVO, BO-Kraft, PbefG)

Vertragsarten im Eisenbahn- und Straßenpersonenverkehr 
Wechselverkehr 
Personenbeförderungsgesetz/ Personenbeförderungsvertrag 
Beförderungsbedingungen Praktische Rechtsanwendung in betriebstypischen Situationen

Reiseversicherungen 
Agentur- und Reisevertrag

Verkehrssicherungspflicht 
Gefährdungshaftung 
Rechtsvorschriften zur Verkehrstauglichkeit 

Sicherheits- und Ordnungsaufgaben der Beschäftigten im Verkehrswesen 
Eingriffsbefugnisse der Beschäftigten im Verkehrswesen (“Jedermannsrechte”), Rechtsgrundlagen: 
Arbeitsrecht und Hausrecht

Wirtschaftlehre

Grundzüge des Rechtssystems, 
Rechts- und Geschäftsfähigkeit 
Rechtsformen (Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften) 
Handelsregister, Firma 
Unternehmensgründung

Markt
Erwerbswirtschaftliches und gemeinwirtschaftliches Prinzip 
Preisbildung (inkl. Staatliche Eingriffe) 
Kooperation und Konzentration 

Ziele der Wirtschaftspolitik, Zielkonflikte 
Fiskalpolitik (inkl. Steuern und Subventionen) 

Außenwirtschaftliche Beziehungen (Globalisierung) 
Europäischer Wettbewerb (Perspektiven im Verkehrsbereich) 
Soziale Marktwirtschaft 
Wettbewerbspolitik 
Verbraucherpolitik

Mengen-, Preis- und Sortimentsplanung 
Bedarfsanalyse Bezugsquellen (inkl. Bewertung unter ökologischen Aspekten) 
Anfrage (einschl. Korrespondenz) 
Angebotsvergleich 
Kaufvertrag (sowie mind. ein weiteres vertragliches Schuldverhältnis) 
AGB 
Kontrolle und Erfassung des Wareneingangs 
Leistungsstörungen (einschl. Korrespondenz) 
Rechtsgeschäftliche Vertretung Eigentum und Besitz

Geldarten 
Überblick über Zahlungsformen (insbesondere auch Gefahren missbräuchlicher Verwendung) – Girokonto 

Finanzierungsmöglichkeiten (Überblick) 

Zahlung von Rechnungen unter Nutzung von Preisnachlässen 
Überwachung des Zahlungseingangs (Offene – Posten – Liste) 
Geldwert und Geldwertverschlechterungen 

Öffentliches Recht, privates Recht  

Steuern (Überblick, Arten)

Gehaltsabrechnung
 

Sozialkunde

Berufsbildungsgesetz

Ausbildungsordnung, Ausbildungsrahmenplan, Rahmenlehrplan 
Schutzgesetze (u.a.JArbSchG) 
Ausbildungsvertrag
Tarifvertrag, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen 
Interessen und Tarifvertragsparteien, 
Beteiligungsrechte (u.a. JAV) 

Konfliktlösungsstrategien (kommunikative u. institutionalisierte Verfahren) 
Organe der Rechtspflege (u.a. Arbeitsgerichtsbarkeit) 
Überwachungs- und Aufsichtsämter, Kammern 
Organisation und individuelle Ausgestaltung der dualen Ausbildung 

Informationsbeschaffung und -verwertung).

Bewerbungen (incl. Korrespondenz, Formvorschriften) 
Personalauswahl 
Personalbeurteilung 
Schutz personenbezogener Daten 

Arbeitsvertrag, Tarifvertrag Kündigung, 
Kündigungsschutz 
Schutzgesetze 
Arbeitsgerichtsbarkeit 
Betriebsrat, Personalrat 
Mitbestimmungsrechte (auf Unternehmensebene) 
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten 
Soziale Sicherung

Rechnungswesen und Controlling

Einfache Entgeltabrechnung 
Steuern

Grundfunktionen des Rechnungswesens 
Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung 
Inventur, Inventar, Bilanz 
Kontenrahmen, Kontenplan 
Bestandskonten 
Ergebniskonten 
Möglichkeiten und Grenzen der Erfolgskontrolle 
Einfacher Jahresabschluss 
Umsatzsteuer 
Buchung von Beschaffungsvorgängen und Verkäufen 
Werteverzehr von Sachanlagen 
Bilanzkennzahlen

Prozentrechnen 
Währungsrechnen 
Zinsrechnen

Grundzüge des Controlling 
Grundzüge des Rechnungswesens
(am Beispiel des Controllingkonzepts eines Verkehrsbetriebes) 
Kostenartenrechnung 
Kostenstellenrechnung (insbes. Leistungserfassung und -bewertung) 
Kostenträgerrechnung 
Vergleich von Voll- und Teilkostenrechnung 
(Deckungsbeitragsrechnung) 
Einfache Kalkulation von Zusatzleistungen (Kalkulationsschema) 
Abrechnung von Profitcentern 

Berichtswesen und Statistik

Indexzahlen, Betriebskennziffern etc.

Prüfungen

Zwischenprüfung

Im Normalfall einer 3-jährigen Ausbildung findet im 3. Semester eine Zwischenprüfung statt, die 120 Minuten dauert und in programmierter Form durchgeführt wird. An dieser Zwischenprüfung muss jeder Auszubildende teilnehmen, da die Teilnahme eine der Vorraussetzungen ist, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden.

Abschlussprüfung

Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ist das Ablegen der Zwischenprüfung sowie das Führen des Berichtsheftes.

Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil, den so genannten Praktischen Übungen.

Die schriftliche Prüfung ist in drei Teile gegliedert:

Im Prüfungsfach “Verkehrs- und Sicherheitsleistungen” (Dauer 120 Minuten) sind Fragen zum Marketing und Vertrieb; zu den Verkehrsmitteln, den Service und Sicherheitsleistungen, der Funktionsfähigkeit von Transportmitteln sowie zum Begleitservice zu beantworten. Dieser Prüfungsteil wird zu 50% in programmierter Form und zu 50% in konventioneller Form durchgeführt.

Der Prüfungsteil “Arbeitsorganisation; kaufmännische Steuerung und Kontrolle” (Dauer 60 Minuten, nur in programmierter Form) enthält Fragestellungen zur Arbeitsorganisation, dem Zahlungsverkehr, der Buchführung, der Kosten- und Leistungsrechnung, dem Controlling, der Materialbeschaffung und -verwaltung.

Schließlich werden in “Wirtschafts- und Sozialkunde” (Dauer 60 Minuten, nur in programmierter Form) überprüft, welche Kenntnisse im Arbeitsrecht und zur soziale Sicherung bestehen, zur Personalwirtschaft und Berufsbildung sowie zur Wirtschaftsordnung und -politik.

Die mündliche Prüfung (Praktische Übungen) dauert insgesamt 20 Minuten. Von zwei gestellten Aufgaben ist eine zu wählen, auf deren Lösung Sie sich in einer Vorbereitungszeit von 15 Minuten einarbeiten können. Im anschließenden Prüfungsgespräch ist zu zeigen, dass Sie unter Berücksichtigung betrieblicher und wirtschaftlicher Gesichtspunkte kundenorientiert handeln können.

Hierbei ist der vereinbarte Schwerpunkt zu berücksichtigen.

– Kundenorientierte Kommunikation

– Verkehrsmittel im Personenverkehr

– Vertrieb

– Sicherheits- und Serviceleistungen

Die Prüfung ist bestanden – und damit haben Sie Ihre Ausbildung erfolgreich beendet, wenn in drei von vier Prüfungsfächern und im Durchschnitt der Prüfungsfächer Verkehrs- und Sicherheitsleistungen sowie Praktische Übungen mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden.

Weiterbildung

Auch in der Verkehrsbranche bedarf es kontinuierlicher Weiterbildung, um sich auf die ständig verändernden Anforderungen einzustellen. 

Aufstiegschancen in leitende Funktionen bieten sich v.a. als Schichtdienstleiter*in, als Zugchef*in oder in einer entsprechenden Position als Wachleiter*in. Hierfür werden in der Regel entsprechende unternehmensinterne Weiterbildungen angeboten.

Eine – unternehmensübergreifende – Möglichkeit zur weiterführenden Qualifikation ist die Weiterbildung zum*zur “Verkehrsfachwirt/-in“. Hierbei handelt es sich um eine auf die speziellen Erfordernisse der Verkehrsbranche bezogene Aufstiegsfortbildung, die mit einer öffentlich-rechtlich anerkannten Prüfung vor einer Industrie- und Handelskammer abschließt.  

Die Weiterbildung zum*zur Verkehrsfachwirt/-in wird an unserem OSZ nicht angeboten.

Auskünfte über Zugangsvoraussetzungen, Ablauf und Prüfungen erteilen u.a. die jeweils zuständigen Industrie- und Handelskammern.

Für Schulabsolvent*innen mit dem Abschluss “Fachhochschulreife” bzw. “Allgemeine Hochschulreife” bieten sich ferner betriebswirtschaftliche Studiengänge im Bereich Verkehrswesen, Touristik und Logistik an.

Bitte wenden Sie sich bei Interesse direkt an die Hochschulen. Fachzeitschriften veröffentlichen in unregelmäßigen Abständen Übersichten der aktuell angebotenen Studiengänge.

Kooperation

Die Ausbildung am OSZ Lotis findet in Kooperation mit folgenden Unternehmen statt:

– DB Vertrieb

– DB Fernverkehr

– DB Station und Service

– VBB (Verkehrsverbund Berlin Brandenburg)