Lesung mit Fadi Saad, dem „großen Bruder von Neukölln“

Im Januar 2009 war Fadi Saad zu Gast im OSZ Lotis. Herr Saad stellte 120 Schülerinnen und Schülern, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, sein Buch „Der große Bruder von Neukölln“ vor. Er beschreibt darin sein Aufwachsen im Wedding, seine Zeit als „Problemschüler“ und Gangmitglied und seine Wandlung zu einem engagierten Berliner.

Fadi Saad wurde 1979 hier geboren und ist mit seiner palästinensischen Familie im Soldiner Kiez im Wedding aufgewachsen. Er hat eine Ausbildung zum Bürokaufmann absolviert. Erst mit erheblichen Anstrengungen gelang es ihm, beruflich Fuß zu fassen.

Fadi Saad bezeichnet sich als „Deu-Araber“, der mit zwei Kulturen aufgewachsen ist und dabei „keine richtig kennen gelernt“ hat. Er sieht die Vorurteile beider Seiten und hat sich bei einem Besuch im Herkunftsland seiner Familie im Libanon als „Migrant“ empfunden. Heute arbeitet er als Jugendberater im Quartiersmanagement in Neukölln. Im Rahmen einer vertieften Berufsorientierung ist er auch an zwei Schulen im Wedding tätig. Er ist Vater von zwei Söhnen. Zusammen mit seiner deutschen Frau möchte er ihnen sowohl die deutsche/ christliche als auch die arabische/ muslimische Kultur vermitteln.

Das Buch „Der große Bruder von Neukölln“

Im Klappentext des Buches steht, er sei einer von denen gewesen, die in der Stadt Angst und Schrecken verbreitet haben. Er selbst stellt dem Buch den Satz voran: „Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten!“

Hier wird der Spannungsbogen des Buches sichtbar: Auf der einen Seite die „Straße“ mit Gewalt und Regellosigkeit und auf der anderen Seite die Chance, ein neues, eigenes Leben anzufangen.

Auf der einen Seite der Einzelne, der durch den Knast aufgerüttelt wird und sich danach den Respekt der Familie und der Umgebung erarbeitet und auf der anderen Seite die Institutionen, die mit Respekt und Toleranz dafür sorgen sollen, dass Menschen ein eigenes, erfülltes Leben ohne Gewalt lernen können.In seinem Buch erzählt Fadi Saad von einem „lieben“ aber auch „strengen“ Lehrer in der Grundschule, bei dem er gerne in die Schule ging und gute Noten hatte. Besonders stolz war er auf seine Tätigkeit als Schülerlotse.

Wie konnte es dazu kommen, dass er nur ein paar Jahre später als Jugendlicher in der Schule versagte und zum Gang-Mitglied wurde? Wie kam es, dass er andere verprügelt und beraubt hat und vor allem wie kam es, dass er dieses Leben hinter sich gelassen hat? Sein Buch können sich die Schülerinnen und Schüler des OSZ Lotis in der Schulbibliothek ausleihen.

www.fadisaad.de/index.php;