Wir freuten uns als Schule sehr über das Angebot der Schwarzkopf-Stiftung  am Mittwoch, dem 15. Januar 2014:

Lesung und Gespräch mit der Zeitzeugin Margot Friedländer am OSZ Lotis

Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin als Tochter jüdischer Eltern geboren und erlebte Verfolgung und Krieg im Berliner Untergrund sowie im Konzentrationslager Theresienstadt. Die Erfahrungen, die sie als junge Frau im Nationalsozialismus machte, veröffentlichte sie im Jahr 2008 in ihrer Autobiographie „Versuche, Dein Leben zu machen - als Jüdin versteckt in Berlin“.

Über sechzig Jahre später kehrte sie nach Deutschland zurück und stellt seitdem ihr Werk und Leben in Berliner Schulklassen vor. Im Anschluss an die etwa einstündige Lesung in der Aula unseres Oberstufenzentrums erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Frau Friedländer persönlich Fragen zu stellen. Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es eine sehr beeindruckende Veranstaltung. Wir wünschen Frau Friedländer weiterhin Kraft und Gesundheit, um noch vielen anderen jungen Menschen ihre Lebensgeschichte nahe zu bringen.

Aus ihrem Leben:

Margot Friedlander wurde am 5. November 1921 in Berlin geboren. Beide Eltern waren Juden. Sie ließen sich vor 1942 scheiden. Margot lebte mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Ralph bei der Mutter Auguste Bendheim in Berlin-Kreuzberg. Sie versuchten mehrfach auszuwandern. 1938 verweigerten die USA die Immigration. 1942 wurde ihr Vater in einem Vernichtungslager ermordet. Am 20. Januar 1943 planten sie ihre Flucht aus Deutschland, Ralph wurde aber von der Gestapo verhaftet. Die Mutter konnte noch eine Handtasche mit ihrem Adressbuch und einer Bernsteinkette bei Freunden deponieren, bevor sie sich der Polizei stellte, um ihren Sohn Ralph zu begleiten. Über diese Freunde ließ sie Margot zudem die Botschaft übermitteln: „Versuche, dein Leben zu machen“. Später starben Mutter und Bruder im KZ Auschwitz. Margot lebte fortan in verschiedenen Verstecken. Sie färbte sich die schwarzen Haare tizianrot und ersetzte den Judenstern durch eine Kette mit Kreuz. Sie ließ ihre Nase operieren, um nicht als Jüdin erkannt zu werden. Die Menschen, die ihr Obdach gaben, waren gegen die Nazis eingestellt, Margots Notlage wurde aber von einigen dieser Menschen ausgenutzt. Im Frühjahr 1944 geriet sie in eine Kontrolle sogenannter „Greifer“, die im Auftrag der SS andere Juden aufspüren und ausliefern sollten. Sie wurde verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt gebracht. Dort traf sie Adolf Friedländer wieder, den sie vom Jüdischen Kulturbund in Berlin kannte und der ebenfalls seine gesamte Familie verloren hatte. Sie überlebten den Holocaust, heirateten und reisten 1946 per Schiff nach New York. Dort nahmen sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an und schrieben ihren Nachnamen „Friedlander“.

1997 starb Adolf Friedlander. Margot Friedlander nahm 2003 eine Einladung des Berliner Senats für „verfolgte und emigrierte Bürger“ an und besuchte ihre Heimatstadt. 2008 erschien ihre Autobiografie Versuche, dein Leben zu machen. Nachdem sie weitere Besuche in Berlin unternommen hatte, beschloss sie 2010 dauerhaft in die Stadt zurückzukehren. Sie erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft zurück. Heute besucht Margot Friedlander bis zu drei Mal pro Woche Schulen und andere Einrichtungen in ganz Deutschland, um über ihr Leben zu berichten. Dabei trägt sie gelegentlich die Bernsteinkette, die sie von ihrer Mutter erhielt.

Quelle:  Wikipedia, abgerufen am 08.01.2014, leicht geändert