Ernährungsberater Mario Hellbardt klärt auf

von: Klasse IW82 

Mario Hellbardt:

Leiter Ernährungstherapeie/ Prävention

Diätassistent und Medizinischer Ernährungsberater
Schwerpunkte:

Adipositas, Magen-Darm-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen, Nierenerkrankungen, Ernährung im Alter

Mario Hellbardt berät seit vielen Jahren übergewichtige und adipöse Menschen. Nach seinem Abschluss an der Schule für Medizinalfachfachberufe – Schule für Diätassistenz der Charité arbeitete er in verschiedenen Akut- und Rehabilitationskliniken.

"Regelmäßig Essen!"

Wichtig für eine gesunde Ernährung ist es regelmäßiges Essen, aus Erfahrung weiß Herr Hellbardt, dass die Meisten schon das Frühstück auslassen. Regelmäßige Mahlzeiten versorgen den Körper mit Energie zur Aufrechterhalteung der Leistungsfähigket.

Weiterhin gilt es zu beachten, dass es keine „gesunden“, „ungesunden“ oder gar „verbotenen“ Lebensmittel gibt. Entscheidend ist Zusammenstellung der Mahlzeiten, die Menge der einzelenen Lebensmittel, die verzehrt werden und natürlich auch die Häufigkeit eines Lebensmittels. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Empfehlungen erstellt, die auch Herr Hellbardt in der Beratung verwendet. Es handelt sich hierbei um die 10 Regeln für eine „Gesunde Ernährung“ (vgl. 10 Regeln der gesunden Ernährung).

"Diät- und Light-Produkt sind oft nicht das was Sie versprechen!"

Viele Verbraucher sind heutzutage verunsichert und kaufen Diät- und Light-Produkte in dem Glauben mit deren Hilfe würden sie sich gesünder ernähren. Herr Hellbardt klärt mich darüber auf, dass das Wort Diät einen ganz anderen Ursprung hat. Diät kommt vom lateinischen Wort diaeta und bedeutet sinngemäß Ernährung des kranken Menschen. Diäten haben also wenig mit dem weit verbreiteten Abnehm-Ratschlägen bestimmter Zeitungen zu tun, sondern ist viel mehr für Menschen gedacht die sich aus gesundheitlichen Gründen z. B. salzarm oder zuckerarm ernähren müssen. Der Aufdruck „Diät“ bei verschiedenen Lebensmittel bedeutet demnach, dass diese Lebensmittel zur „besonderen Ernährung bei Diabtes mellitus im Rahmen einen Ernährungsplans“ geeignet sind. Bei diesen Lebensmitteln wird lediglich der Zucker gegen chemisch hergestellte Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe ersetzt. Selbst Diabetikern werden diese Lebensmittel nicht mehr empfohlen, da die anderen Inhaltstoffe, insbesondere das Fett, nicht reduziert worden sind. So findet sich im Supermarktregal zum Beispiel auch ein Diät-Sahnejoghurt. Eine Diät-Schokolade enthält genauso viel Fett wie eine herkömmliche Schokolade.

Light-Produkte sind im Energiegehalt, also den Kalorien, reduziert. Dazu können Zucker ausgetauscht oder auch der Fettgehalt reduziert worden sein. Aufschluss darüber gibt die Zutatenliste und die Nährwertangeben auf der Verpackung.

"Niedriger Grundumsatz durch Gewichtsschwankungen!"

Die übergewichtigen Patienten von Herrn Hellbardt haben mehrheitlich verschiedene „Diäterfahrung“. Häufige „Diäten“ und Gewichtsschwankungen führen zu einem niedrigeren Grundumsatz. Als Grundumsatz bezeichnet man den Energiebedarf, den der Körper im Ruhezustand benötigt um alle lebensnotwendigen Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Bei „Diäten“ mit einer niedriegen Energiezufuhr befindet sich der Körper im so genannten Hungerstoffwechsel. Er versucht schnell dem Körper Energie zur Verfügung zu stellen und baut nicht nur Fett ab, sondern auch Eiweiß (Bluteiweiße und Muskulatur). Die Muskulatur wird reduziert und somit auch der Grundumsatz abgesenkt, da dieser durch den Anteil an Muskelmasse bestimmt ist. Nach einer niederkalorischen Diät werden schnell wieder altes Essverhalten und Ernährungsgewohnheiten praktiziert, was dann zu einer höheren Energiezufuhr über Lebensmittel führt. Dieser Energieüberschuss wird nun vom Körper als Reserve in Form von Fett für die nächste „schlechte Zeit einer Diät“ gespeichert. Dieser Vorgang wird auch als Jo-Jo-Effekt bezeichnet.

Wichtig bei einer nachhaltigen Gewichtreduktion ist die Veränderung von Ess- und Lebensgewohnheiten. Dazu gehört eben auch eine regelmäßige körperliche Aktivität.

"Probleme und Lösungsansätze im Alltag"

Die 10 Regeln der gesunden Ernährung klingen einfach, sind aber nicht immer so leicht im Büroalltag umzusetzen. Auch Herr Hellbardt ist mit diesem Problem bei einem Workshop mit Auszubildenden konfrontiert worden.

Die Schwierigkeiten hierbei sind vielfältig und fangen damit an, dass es keine Küche, geschweige denn eine Kochmöglichkeit gibt. Die Mitarbeiter sind auf das umliegende Mittagsangebot angewiesen. Oftmals ist hier der Döner, die Chinapfanne, die Pizza oder die Currywurst das Nahe liegenste. Zusätzlich fehlt die Zeit für Pausen. Bei hohem Kundenverkehr wird sie einfach weggelassen oder im Büro durch Terminstress nebenbei am Computer eingenommen. Völlig ausgehungert endet man auf dem Nachhauseweg an einem Fast Food Stand und nimmt viel zu salzige und fettreiche Produkte zu sich.

Herr Hellbardt hat hierfür einige Tipps:

Zeit ist knapp und daher rät Herr Hellbart zur Vorbereitung!

Vor der Arbeit ausreichend Frühstücken, Obst und Gemüse am Vorabend schneiden so startet man gut in den Tag und hat eine gesunde Zwischenmahlzeit in der Tasche. Wer unter der Woche keine Zeit zum kochen hat, sollte sich Mahlzeiten am Wochenende vorbereiten. Die heutigen Frischhalteboxen ermöglichen eine lange Haltbarkeit. Wer keine Mikrowelle oder Herdplatten auf der Arbeit hat, sollte versuchen den Chef zu überzeugen, dass Mitarbeiter die sich gesund ernähren auch konzentrierter und leistungsstärker Arbeiten können. Um auch wirklich Pausen nehmen zu können, muss man individuelle Lösungen am Arbeitsplatz finden. Im Einzelhandel kann das bedeuten nacheinander Pause zu machen und wer im Büro keinen separaten Pausenraum hat, schaltet den Bildschirm ab und geht nach dem Essen ein paar Meter an der frischen Luft spazieren.

"BIO-FOOD!"

Die Frage darauf, ob BIO-FOOD die Lösung des Problems von schlechter Ernährung sei, verneint Herr Hellbardt erstmal. BIO-FOOD ist in erster Linie nach bestimmten ökologischen Kriterien hergestellte Nahrungsmittel. Für eine ausgewogene Ernährung ist es unerheblich, ob man einen Bio-Apfel oder einen herkömmlichen Apfel zu sich nimmt - ernährungsphysiologisch macht es keinen Unterschied. Bei Lebensmitteln, die aus der ökologischen Landwirtschaft gewonnen werden, geht es eher um die Frage nach der Entstehung der Lebensmittel. Laut EU-Öko-Verordnung dürfen sie nicht gentechnisch verändert sein oder unter Einsatz konventioneller Pestizide, Kunstdünger oder Abwasserschlamm angebaut werden. Tierische Produkte dürfen nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt sein. Zusätzlich dürfen die Lebensmittel nicht ionisierend bestrahlt sein und enthalten weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel.

Wer sich noch genauer mit dem Thema gesunde Ernährung befassen möchte oder Tipps, Tricks und Hilfe benötigt kann sich mit dem POLIKUM Friedenau unter www.polikum.de oder per Mail an ernaehrungsberatung@polikum.de in Verbindung setzten. Herr Hellbardt empfiehlt an dieser Stelle einen Workshop zu diesem Thema zu besuchen.