

- Giesela Hoyer

- Eröffnung mit Vera Jaspers

- Vernissage mit Annette Thomas

- Kiever Kammerakademie

- Melancholy

- Serenade I

- Es wärmt, es lodert

- Bis zum Horizont und weiter
Ausstellung "Farb-Klänge"
im Foyer des OSZ Lotis
Ab Montag, dem 14. September 2009 stellen wir Gemälde der Berliner Künstlerin Gisela Hoyer aus. Die Gemälde werden bis zum Ende des Jahres das Foyer des OSZ Lotis bereichern.
Die Ausstellung ist für die Öffentlichkeit zugänglich:
von Montag bis Freitag 08:00 - 17:00 Uhr
Kontakt zur Künstlerin:g.hr(at)berlin.de
Gisela Hoyer – Farb-Klänge
Gisela Hoyer, gebürtig aus Bayern, in Berlin lebend seit ihrem fünften Lebensjahr, ist Autodidaktin und seit 1973 künstlerisch tätig. 2000 entschloss Sie sich der Malerei hauptberuflich zu widmen. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus den Jahren 2000-2009.
Beginnen möchte ich mit der Arbeit Melancholy, die auch als Motiv für die Einladung zur Ausstellung und dem Konzert der Kiever Kammerakademie genutzt wurde. Sie ist der Auftakt zu einer Werkgruppe, die sich direkt mit Musik oder Musikern beschäftigt. Wir sehen in gedeckter Farbigkeit einen Cellisten, der hingebungsvoll die Seiten seines Instrumentes streicht. Das Gesicht nur schemenhaft angedeutet, der Körper teilweise formal aufgelöst, mit Instrument und Umgebung verschmelzend. Sogleich glauben wir den ersten Ton zu vernehmen, den tiefen Klang des Cellos, ein getragenes, vielleicht melancholisch gefärbtes Stück, das der Musiker mehr für sich selbst spielt als für ein Publikum.
Weitere Arbeiten zum Thema Musik zeigen Instrumente oder in Farbe eingearbeitete collagierte Notenblätter. Wie in Frühlingsmelodie oder in Schräge Töne ist ist allen Arbeiten das Aufgreifen einer Stimmung eigen, die entweder inspiriert ist von einem bestimmten Musikstück, einem Instrument oder einem Musiker. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang eine Arbeit auf Papier: Serenade 1. Auch hier verschmilzt das Instrument mit dem Bildraum zu einem Farbklang, jetzt heiter-melancholisch in Gelb.
Wir sehen daneben eine 3-teilige Arbeit, diesmal in strahlendem Gelb gehalten. Eine Variation blühender Rapsfelder, der die Künstlerin mit einem Augenzwinkern den Titel Raps-o-die anheftet. Rhythmus und Komposition sind eben sowohl Stilmittel der Malerei als auch der Musik. In Manchmal ... hängt der Himmel voller Geigen – wie das Sprichwort sagt – wolkiges Blau und Weiß lassen uns träumen oder fragen wann wir uns das letzte Mal so gefühlt haben. Manchmal ... sagt aber auch, dass dies kein Zustand von Dauer ist, sondern ein oft nur flüchtiger und um so wertvollerer Moment. Andere Arbeiten heißen schlicht: Irgendwann, Danach oder Wohin, was ebenfalls auf die Flüchtigkeit der Zeit hinweist oder gar die Frage nach der Zukunft stellt.
Farbe ist in den Arbeiten von Gisela Hoyer immer Stimmungsträger: expressive gestische Malerei, oft von einem Gegenstand oder Motiv ausgehend, immer in Auflösung begriffen, bis hin zu den vorwiegend abstrakten Kompositionen, deren Zuordnung oder Lesart uns, also dem Betrachter obliegt. Der Titel gibt lediglich eine Richtung vor. Die betont emotionalen Arbeiten, die immer der Phantasie der Künstlerin entspringen und nicht auf photographischen Vorlagen fußen – wie heute so oft üblich in der Malerei – sind Momentaufnahmen aus der Erinnerung der Künstlerin, deren spezielles Erleben uns jedoch verborgen bleibt. Die Künstlerin erzählt uns keine Geschichten aus ihrem Leben. Wir entdecken überraschender Weise unsere eigenen Geschichten. Sie weckt mit ihren Bildern in uns eine Form von grundlegender Emotionalität, die wiederum Bilder eigener Erinnerungen aus uns hervorlockt.
Je abstrakter die Arbeiten von Gisela Hoyer, desto reduzierter oder sachlicher ist der Titel: Rot aus der Tube oder Pinselstrich sind die Anhaltspunkte, die Sie uns liefert und in der Tat: das sehen wir auch. Vielleicht trägt die grün/gelbe Bildkomposition noch die Erinnerung an eine Sommerlandschaft in sich, aber was sucht der Pinsel im Bild? Schauen wir der Künstlerin vielleicht doch beim Anfertigen einer Plein Air-Arbeit über die Schulter?
Neben den bereits vorgestellten Werkgruppen „Musik“ und „abstrakte Komposition“ zeigen die Arbeiten von Gisela Hoyer auch eine Auseinandersetzung mit Natur und Landschaft. Diese sind inspiriert von Reisen und persönlichem Erleben, sind jedoch auch hier nicht Abbild konkreter Orte, sondern wiederum Erfindungen, atmosphärische innere Landschaften.
Wie arbeitet die Künstlerin? Das Material: Acryl auf Leinwand oder Papier. Sie malt, collagiert, spachtelt, kratzt und wischt, gießt oder spritzt die Farbe auf die Leinwand, oder der Farbe werden unterschiedlichste Materialien beigemischt. Am häufigsten kommt wohl Sand zum Einsatz, den Frau Hoyer von ihren Reisen – aus der Wüste oder vom Strand mitbringt und dessen unterschiedliche Farbigkeit in die Arbeiten einfließt. Als Beispiel möchte ich hier auf eine Serie von Arbeiten verweisen: Terra. Die Künstlerin verzichtet hier auf eine perspektivische Anordnung der Farbfelder, der Sand liefert eine grobe Struktur. Die Folge von 4 Arbeiten erscheint als Landschaft, die man aus einem Flugzeug heraus von oben betrachtet. Die daneben präsentierte 5-teilige Arbeit Bis zum Horizont und weiter wiederum zeigt eine weite Landschaft, die eher klassisch perspektivisch angelegt ist, deren Weite sich als Bildraum aber über 5 einzelne Formate ausbreitet. Auch hier folgt die Künstlerin wieder ihrer Systematik bezüglich der Wahl der Titel. Terra – Erde oder Land ist weitgehend unspezifisch; Bis zum Horizont und weiter hingegen, könnte die Aufforderung beinhalten nach dem Land hinter dem Horizont zu suchen.
Die mittel- bis großformatigen Bilder, die sich links neben dem Eingang befinden, scheinen mir die besten Beispiele zu sein, wie gekonnt die Künstlerin Abstraktion und Gegenständlichkeit verbindet. Oder anders ausgedrückt, wie wenig Gegenstand notwendig ist, um eine gestische Struktur im Gegenständlichen zu verorten. Eine kleine weiße Fläche wird zum Segel oder zum Leuchtturm – vom tosenden Meer umbraust.
An anderer Stelle haben wir bereits eine zweiteilige Arbeit gesehen, die zusammengesetzt ein Lagerfeuer ergibt: es wärmt, es lodert bezeichnet exemplarisch die emotionale Ambivalenz, die den Bildern von Gisela Hoyer eigen ist.
Annette Thomas, Sept. 2009
