Alaa an der Sägemaschine
Gemeinsam und gleichberechtigt arbeiten

Erfahrungsraum FLIEGERWERKSTATT

Geräusche einer Säge. Es riecht nach Holz. Konzentriert steht meine Schülerin Alaa an der großen Sägemaschine und schiebt vorsichtig eine dünne Holzplatte unter das Sägeblatt. Wieder und wieder, mit Geduld und Präzision, bis ein gezacktes Muster im Holz entstanden ist: ein selbst entworfener Bilderrahmen, den sie, zufrieden mit dem Ergebnis, an der Werkbank weiter bearbeitet.

Alaa kann's schon alleine, denn Dirk Dreißen und Mathias Link, beide erfahrene Schreinermeister und Leiter der Werkstatt, haben gezeigt, wie es geht. Aufmerksam, geduldig und freundlich weisen sie die Schüler*innen in den Gebrauch der Werkzeuge ein, hören ihren Ideen zu und geben Tipps für die Umsetzung, legen, wenn nötig, selbst Hand mit an, aber lassen vor allem die Schüler*innen „machen“, gewähren Raum für selbständiges Arbeiten. Und bei allem spürt man die Begeisterung für ihr Handwerk zusammen mit einer großen Zugewandtheit gegenüber den Jugendlichen.

Die Arbeit zahlt sich aus: Mit großer Freude und Kreativität wissen die Schüler*innen den ihnen gebotenen Erfahrungsraum für sich zu nutzen: Mit eigenen Händen Dinge zu fertigen, dabei zu lernen und Selbstwirksamkeit zu erfahren – darum geht es hier vor allem – und meine Schüler*innen lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen.

Außerdem – Alaas Beispiel zeigt dies - die Arbeit in der Werkstatt ist nicht etwa reine Männersache!

 

Neben mir an der Werkbank steht Afshang, leimt eifrig Holzleisten auf die Innenseite ihrer cajón* und singt dabei. Dazwischen zeigt sie mir, in welchem Abstand ich die Bohrlöcher zu markieren habe: Es macht ihr viel Spaß, auch mal der Lehrerin etwas erklären zu können...

Schülerinnen wie Schüler und Lehrerin werken in diesem Raum gleichberechtigt nebeneinander und miteinander, helfen sich gegenseitig. Blöde Sprüche gibt es nicht und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst mit jedem Handgriff. Man lernt gemeinsam: Wie handhabt man eine Stichsäge? Woran erkennt man die Qualität von Holz? Und – verflixt nochmal! – wo habe ich denn gerade die kleine Schraube hingelegt?

 


Am nächsten Tisch riecht es nach Farbe: Tiyana und Abbas verzieren selbst gefertigte Werkstücke mit bunten Farbspritzern, Abbas schwingt den Pinsel so unglaublich locker aus dem Handgelenk heraus und das Ergebnis sieht fast aus wie Pollock!

 

Gleich daneben wird geschwitzt: Mit einem Schweißeisen verbindet Belal Metallrohre zu einem großen Achteck.

Architektonisch geht’s weiter: Ali legt den Grundriss zum Modell seiner mehrstöckigen Villa.

 

Und zum Wohle der Gemeinschaft: Hossein, Mohammad und Habeeb schrauben an einem abschließbaren Holzschrank, der bald in unserem Klassenraum stehen soll und sehr nützlich ist: Er soll auf herausziehbaren Fächern den zu Stundenbeginn eingesammelten Handys Obdach bieten.

 

 

So viele Ideen! So viele Erfahrungen! Und – fast wie nebenbei – gewinnen die Schüler*innen hier durch ihre Eigen-Tätigkeit Einblick in handwerkliche Berufsfelder und damit jede Menge berufliches Knowhow.


Pause am Kicker
...oder beim Dabke tanzen
Danke!

Dazwischen gibt es Zeit für Pausen, sei es am Kicker oder im hinteren Teil des Raumes auf einem Indoor-Sportplatz. Nebenan kann ein Konferenzraum genutzt werden und in einem der hinteren Räume gibt es einen echten Flugsimulator zu bestaunen. Die Fliegerwerkstatt bietet viele Möglichkeiten.

 

Vier Wochen lang, jeweils ein Mal wöchentlich für 1-2 Blöcke, haben in diesem Schuljahr 2017/18 beide BQL-Klassen die „Flieger-werkstatt“, eine Jugendeinrichtung der social-return-Stiftung, besucht. Vom Lotis aus ist die Fliegerwerkstatt „gleich um die Ecke“: Sie liegt auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof - genauer: im Hof 1, Bauteil D1 des Tempelhofer Flughafens.

 

 

Wir sagen DANKE für all die vielen wertvollen Erfahrungen, die wir hier sammeln durften!

 

Bericht: Rebecca Nagel, Klassenlehrerin der BQL72

Fotos: Mathias Link, Leiter der Fliegerwerkstatt

 

*cajón = spanisches Perkussionsinstrument, traditionell in der Musik des Flamenco eingesetzt